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Futterneid

Leseprobe Futterneid - Dr. Frischmuth

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Hauptkommissar Gregor Klars 2. Fall

Zunächst sieht es für die Münchner Kripobeamten Gregor Klar und Wolfgang Loiperdinger nach Selbsttötung aus. Der Unternehmer Friedrich Kuhlmann liegt leblos im Betonbecken seiner Aquakulturanlage. Die polizeilichen Routinebefragungen beginnen in der Mehrgenerationenfamilie des Toten. Kurz darauf stirbt nach dem Verzehr eines Kokain vergifteten Steinbutts, die Freundin eines FC Bayern–Stars. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse in der an dem Fischzuchtbetrieb beteiligten Versicherung.

von Rüdiger Frischmuth

ISBN 978-3-743-19695-7

ab April 2017 erhältlich bei BoD

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Leseprobe

Karlsfeld-München, 16. Oktober 2015, 15:40 Uhr

Rüdiger Rattelsberger versank in der ledernen Rücksitzbank.
Schwer atmend klappte er den Laptopbildschirm auf seinem Schoß hoch. Die Finger des berufserfahrenen Gerichtsmediziners zuckten. Nach mehreren Fehlversuchen hatte er den achtstelligen Entschlüsselungscode korrekt eingegeben.
Wolfgang Loiperdinger drückte aufs Gaspedal. Der BMW schoss
mit durchdrehenden Reifen vor. In den Rückspiegel grienend
schaltete der Kommissar in den niedrigeren Gang. Der
Sechszylinder heulte auf.
Die buschigen Augenbrauen des Beifahrers zogen nach oben.
Gregor Klar umklammerte zum Dachhimmel blickend den am Fahrzeugdach montierten Kunststoffgriff. Aus den Augenwinkeln
nahm er erschreckt zunehmend schneller vorbeifliegende
Leitplanken wahr.
Mit einem Papiertaschentuch wischte der Gerichtsmediziner Wassertropfen von den Backen.
„Unser Mann hat sich keinesfalls selbst getötet. Auf Kuhlmanns
Handrücken fehlen Schmauchspuren. Außerdem hielt unser Opfer
eine Pistole locker in der linken. Jemand schoss ihm in die Schläfe
und legte die Waffe in die falsche Faust.“
„Falsche Faust, was für ein lustiger Ausdruck. Richtig komisch
heute, unser Doktor.“
„Das Mordopfer war Rechtshänder. Wir haben Kuhlmanns Frau
befragt. Haben Sie sich mal zum Spaß mit Ihrer schwachen Hand
eine Pistole an die Schläfe gedrückt?“
„Ich pflege gefahrlosere Hobbys. Können Sie Ihre Ausführungen
ein wenig konkretisieren bitte?“
„Ist doch logisch. Ein Mensch, der alle Griffe mit seiner Rechten
erledigt, erschießt sich nicht mit der linken Patsche. Übrigens
haben wir am Leichenfundort kein Blut gefunden. Meine
Mitarbeiter konnten am Hinterkopf drei Hämatome identifizieren.
Die Kriminaltechniker fanden Schleifspuren in der Halle. Diese
verlieren sich wegen des Dauerregens der letzten Tage auf dem
Betonboden. Meine DNA–Analyse wird folgen. Ich mache mich in
einer Stunde im gerichtsmedizinischem Institut an die Arbeit. Der
Mord wurde gestern zwischen 20:00 und 00:00 Uhr verübt. Sie
halten meinen Bericht morgen in den Händen. Dann wissen wir mit
hinreichender Wahrscheinlichkeit final, wodurch die vier
Blutergüsse verursacht wurden. Aus jetziger Sicht tötete der
Mörder Kuhlmann durch mehrere Schläge. Dann hat er dem Kerl
eine Kugel in die linke Schläfe gejagt und ihn in die Halle
geschleppt, vermutlich um uns auf eine falsche Fährte zu locken.“
Der Gerichtsmediziner öffnete vom Redefluss ermattet eine
Wasserflasche und nahm einen kräftigen Schluck.
Der Tacho des BMW zeigte hundertdreißig Stundenkilometer.
Gregor Klar wischte schweißnasse Hände an seiner Bluejeans
trocken. Das kreidebleiche Gesicht des Hauptkommissars glich
dem Antlitz eines Magenkrankens im fortgeschrittenen Stadium. Er
beschloss, abends alle Kleidungsstücke bei sechzig Grad dreimal
zu waschen.
Wolfgang Loiperdinger nahm den Fuß vom Gaspedal. Der
silberne Dienstfünfer kam auf dem Kiesstreifen zum Stehen. Eine
dichte Staubwolke zog Richtung Allacher Forst.
...